Dandelion Time: Wie meine Einrichtung arbeitet.

Seit dem 01.09 absolviere ich nun meinen Freiwilligendienst in der Einrichtung Dandelion Time in West Farleigh/Maidstone im Südosten der britischen Insel.
Nachdem ich einigen unter Euch schon vorab mit einigen Informationen füttern konnte, versuche ich mich hier an der Herkules-Aufgabe die Arbeitsweise Dandelions in einen übersichtlichen und lesbaren Artikel zu bringen.

 

Das Klientel

Kinder und Jugendliche im Alter von 6-ca 16 Jahren. Sie werden zumeist begleitet von ihrer Mutter oder einem anderen Verwandten, der das Schicksal des Kindes teilt. Sie kommen für gewöhnlich einmal pro Woche zu einer rund vierstündigen Session.
In ca. 70% der Fälle sind Kind und Mutter Opfer von häuslicher Gewalt geworden, meist physischer Gewalt und zuweilen auch psychischer bzw. seelischer Gewalt.

Psychische Gewalt

Zu letzterer zählt beispielsweise dauerhaftes Beleidigen oder Einschüchtern, das Ignorieren von Bedürfnissen oder das Unterlassen von Hilfeleistung. Außerdem gibt es eine Form der emotionalen Erpressung, die weit verbreitet ist, a la “wenn du mich liebst, dann machst du das und das.” Es bedarf, denke ich, keiner Erläuterung dessen, was man mit diesem Satz alles anstellen kann. Denn:
Ihr müsst Euch immer vor Augen halten, dass wir über Kinder sprechen. Und diese haben meist kein Gefühl für gut oder böse entwickeln können und sie lieben zumindest in jungen Jahren ihre Eltern bedingungslos, wie es jedes Kind tut, selbst wenn es vernachlässigt oder misshandelt wird.
Die Wunden psychischer Gewalt sind nur selten äußerlich sichtbar und damit auch sehr schwer, nur langfristig therapierbar. Darüber hinaus geht sie häufig natürlich mit körperlicher Gewalt einher.

Sexueller Missbrauch

Auch dieser ist nicht selten ein Schicksal, das Klienten – sowohl Mütter als auch Töchter und Söhne – teilen, die zu uns kommen. Das an sich ist selbstverständlich schon schlimm genug, leider sind die Konsequenzen oft nicht weniger drastisch: So kann es zu völlig verqueren Einschätzungen bei Mädchen und Frauen führen, davon auszugehen, dass sie durch sexuelle Gefälligkeiten bei männlichen Mitmenschen ein eigenes Anliegen durchsetzen können, weil sie es zuhause so gelernt und praktiziert haben.
Oder andererseits kommt es auch vor, dass sie eine tiefe Furcht gegenüber dem männlichen Geschlecht entwickeln, beispielsweise männliche Lehrer völlig ignorieren und auf plötzliche, ruckartige Bewegungen panisch reagieren.

Sozialer Hintergrund

In aller Regel haben wir es mit sozial-schwachen Kindern zu tun, die aus den schwierigen Bezirken der 100 000-Einwohner-Metropole Maidstone zu uns in den außerhalb gelegenen Ortsteil “West Farleigh” kommen.
Dort und auch in den Schulen herrscht zumeist hoher sozialer Druck, dem junge Menschen schon standhalten und sich dafür verstellen müssen; und das ohne sich wahrscheinlich überhaupt selbst zu kennen.

Außerdem haben wir es häufig auch mit “young carers” also jungen Müttern zu tun, die zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes noch nicht volljährig waren.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die auftretenden Problematiken gewissermaßen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Man halte sich vor Augen, um wieviel schwieriger es für jemanden, der als Kind wenig Zuneigung, dafür Gewalt oder Erniedrigung von den Eltern erfahren konnte, sein muss, späterhin selbst ein fürsorglicher Vater oder eine verständnisvolle Mutter  zu sein.

Konsequenzen

Natürlich hat jedes Kind letzten Endes seine eigene Geschichte und ich kann hier nicht alles abdecken, jedoch dürftet Ihr einen Eindruck der komplizierten Problematiken gewonnen haben.
Zur Schnittmenge der meisten Fälle gehört eine äußerst geringe Selbstachtung, ein Mangel an sprachlichen Ausdrucksvermögens, Schwierigkeiten anderer Menschen Gestik oder Mimik einzuschätzen und Kompensationsversuche vielerlei Art wie zum Beispiel  exzentrische Überdrehtheit oder völlige Verschlossenheit.

Der Ansatz Dandelions

In einem Training als Prinzipien unserer Arbeit gelernt, werde ich versuchen die folgenden Worthülsen inhaltlich auch exemplarisch auszufüllen.

Child Centred

Mittelpunkt und erste Priorität bei Dandelion Time sind einzig allein die Kinder.

Daraus folgt zum einen: Die Kinder und vor allem deren geistige wie körperliche Unversehrtheit müssen bei jeder Aktivität gewährleistet sein. Außerdem wird bei einer möglichen Erweiterung wie der möglichen Anschaffung eines neuen Tieres immer abgewägt, welchen Nutzen und vor allem welche Risiken das einzelne Kind dabei hätte.
Auf der anderen Seite ist das ein wichtiger Punkt, weil einige die Mütter häufig objektiv gesehen dieselbe Hilfe und therapeutische Zuwendung benötigten und nicht selten auch dadurch beanspruchen, dass sie beispielsweise versuchen, den Großteil der Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Hier müssen wir dann mit einigem Fingerspitzengefühl intervenieren und das Kind gekonnt wieder in den Fokus der Aktivität oder Unterhaltung rücken.

Embedded Therapeutic Approach

Zu Deutsch “Eingebetteter therapeutischer Ansatz.” Darunter kann man so viel verstehen wie, dass die Therapie bei Dandelion nicht auf der Couch einer steril anmutenden Therapeutenpraxis stattfindet, sondern hier gewissermaßen in die Aktivitäten integriert ist, so par exemple lenken die Therapeuten den Dialog mit einem Kind beim Schälen von Äpfeln für den “Apple Crumble” bewusst auf ein bestimmtes Thema im besten Fall natürlich vom Kind unbemerkt. Oder aber wird einem Kind mit Berührungsängsten vor Männern bei Holzarbeiten nach und nach erst von einer Therapeutin vorsichtig herangeführt, indem das Kind gebeten wird, die Handhaltung der Therapeutin zu korrigieren. Das tut das Kind möglicherweise ohne es wirklich zu realisieren, unterbewusst ist die Wirkung jedoch größer und es kann die Angst graduell abbauen.

Nature as Partner – Die heilsame Kraft der Natur

Die in meinen Augen wahrscheinlich wichtigste Komponente unter vielen wichtigen.

Und es fängt mit dem genauso klischeehaften, wie manches mal traurigerweise zutreffenden Frage nach der Herkunft von Eiern. Im größeren Kontext würde ich es nennen, einen “Sinn für Leben zu entwickeln.”
Um vom plakativen Eierbeispiel wegzukommen: Wer im Garten im Spätherbst Naturdünger in ein Beet eingräbt, im Frühling anfängt Karotten und Kartoffeln zu setzen, über das Jahr verteilt auch Unkraut jätet und dann im Sommer bzw. Herbst das Erfolgserlebnis der Ernte hat, der hat nicht nur gelernt, dass Gemüse nicht im Hinterzimmer eines Tesco-Supermarkts hergestellt wird.
Vielmehr wird hierbei eine Ahnung von essentiellen Wirklichkeiten des Lebens vermittelt. So kann es für keinen Heranwachsenden falsch sein, zu erfahren was es heißt für eine Sache am Ball zu bleiben, sich um über einen längeren Zeitraum um etwas kümmern, sich in Geduld üben zu müssen, ein Projekt zu haben und am Ende buchstäblich dessen Früchte zu erneten.
Sollte das Kind diese Gartenerfahrung dann auch auf Alltagssituationen, auf schulischen Erfolg oder zwischenmenschliche Beziehungen analog- bewusst oder unbewusst – zu übertragen wissen, dann wäre das der “Sinn für Leben,” den ich meine.

Nichtsdestoweniger darf das Offensichtliche nicht unerwähnt bleiben: So bestimmt die Atmosphäre wesentlich – und in unserem Fall die natürliche Umgebung – , inwiefern sich die Klienten gedanklich von ihrem problembehafteten Alltag zu lösen imstande sind.
Hat man einmal einen sonst verschreckten und in sich gekehrten Siebenjährigen gesehen, der nach anfänglicher Furcht vorsichtig ein Kaninchen streichelt und zum ersten mal ein echtes Lächeln auf seinen Lippen zeigt, vertieft sich der Eindruck von der Wirkung der Natur.

Sense of Community

Da wir es größtenteils mit in sich gekehrten Außenseitern, jedoch auch mit extrovertierten Draufgängern zu tun haben, ist es auch immer eine Aufgabe, eine Balance im Umgang zu schaffen.
Die Außenseiter fühlen sich meistens in ihrer zurückgezogenen Rolle wohler, beobachten lieber und reden ungerne und von sich aus meist gar nicht.
Der andere Typ ist es gewohnt, dass er in einer Gruppe präsenter ist oder auch nur in einem Gespräch den größeren Redeanteil innehat und sich häufig im Mittelpunkt befindet. Auch hier wieder: das muss dieser nicht zwangsläufig absihtlich bzw. bewusst tun.

Bei Dandelion Time wird deshalb besonderer Wert auf das gemeinsame Essen am Tisch gelegt, mit dem jede Session endet. Um ein möglichst gesundes Gespräch zu erzeugen, versucht ein Mitarbeiter ein wenig zu moderieren, um auch die erstgenannte Art Kinder miteinzubeziehen und die zweite im Zaum zu halten. Die anderen Mitarbeiter schalten sich immer wieder unterstützend ein.
Eine gemeinsame Mahlzeit am Esstisch ist auch deshalb so wichtig, weil sie in den Familien aus verschiedenen Gründen nur noch selten stattfindet; sei es, weil entweder nicht mehr gekocht wird, weil die Arbeitszeiten einer alleinerziehenden Mutter es nicht zulassen oder aber man hat es sich angewöhnt, das Essen während dem Fernsehen oder X-Box spielen zu sich zu nehmen.

 

 

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Roundup über die letzten beiden Wochen

Vom faktischen Herbstanfang, dem Besuch von meinem Bruder und Tim und Kontakt mit kleinen Menschen.

Kalt war es auf einmal, fast schlagartig Ende September. Da fiel allen Mitarbeitern urplötzlich ein, was mir schon einige Zeit durch den Kopf ging: Wie wird dieses riesige, kümmerlich isolierte Haus im Winter warm gehalten. Teils durch Holz, teils durch elektrische Heizkörper (“radiator”).
Da sowohl die Menge als auch die Lagerung der Feuerholzes besorgniserregend gering bzw. schlecht war, kümmerten sich die beiden Deutschen und der im selben Haus wohnendene Nachbar Gavin, darum, dass sich das schleunigst ändert.

Das hier ist das Nachherbild von dem kein Vorherbild existiert. Dass Feuerholz möglich trocken sein muss, wusste man hier vielleicht gerade noch. Dass es dazu trocken gelagert werden muss und dazu nach Möglichkeit die Luft zirkulieren sollte dagegen genauso wenig wie, dass es von Vorteil ist, Scheite zu spalten.

Als das halbwegs zufriedenstellend geschehen war, stellte sich dann für anderthalb Wochen ein herrlicher Altweibersommer ein und wischte das Heizproblem vorläufig wieder aus dem Sinn des Managements.

Aber der Herbst war unstreitbar dar, zeigte sich jedoch bis heute von seiner schöneren Seite, da jeder Regen seit nunmehr 4 Wochen nahezu ausblieb. Einzig der Grün des Elmscroft Parks leidet etwas darunter.

Der Versuch Esskastanien zu backen. Ob man es tatsächlich so macht, wie ich es tat, weiß ich nicht. Schmeckte nach Kartoffel nur süßlicher.

Der Versuch Esskastanien zu backen. Ob man es tatsächlich so macht, wie ich es tat, weiß ich nicht. Schmeckte nach Kartoffel nur süßlicher.

 

Und kurze Zeit später war es ach schon Freitag, der 14.Oktober und Tim plus mein Bruder standen auf der “Dandelion”-Türmatte. Sie hatten eine empfehlenswerte 5-Tage-Rundreise durch die Castles, Naturattraktionen und das Nachtleben Südengland hinter sich und werden möglicherweise noch einige ihrer Bilder zum Hochladen freigeben. ;-)

Hever Castle

Nach einer Führung durch Haus und Gelände, gemeinsamen Abendessens mit Gavin und seiner Frau Freitagabend und einem Erfahrungsaustausch bei ein paar Flaschen Bier, starteten wir am Samstag morgen auf anraten meines CEO´s in Richtung Hever Castle.
Anfangs waren die 14 Pfund Eintritt für Castle und die umliegenden Gärten gefühlt zu teuer, aber letzten Endes war es das doch wert. Zu enspannend und sehenswert war es, um sich darüber in deutscher Manier zu echauffieren. Seht selbst!

Hever Castle - ein englisches Lustschloss. Nicht groß, aber protzig.


Im Innenraum war es dann leider verboten, Fotos zu machen…

Für alle die diesen Kamerad hier net kennen: Das ist König Henry VII:, der royale Womanizer des 16.Jahrhunderts. Er hat zu Lebzeiten 6 Ehefrauen verschlissen und dabei einige ermorden sowie seine eigene Kirche begründen müssen.

…aber bei dem Eintrittspreis erdreisteten wir uns.

Da haben wir vier noch einen Familientarif beim Bogenschießen bekommen. Wenn wir bis dato noch keinen englischen Gentlemen getroffen hatten, dann spätestens jetzt: Rhys lehrte geduldig und schoss gekonnt.

Ab und zu wurden wir auch gefragt, ob in Deutschland alle so groß seien.

Hier präsentiert euch Tim nochmal den Blick auf Terasse und Teich.

Am Sonntag war dann mit einem ansehnlichen (naja eigentlich dreien – jeder hatte einen) Kater im Schlepptau London angesagt. Fällt einem Sightseeing dort schon bei voller Gesundheit nicht so leicht, so war es erwatungsgemäß anstrengend. Die paar must-have-Bilder haben wir gemacht, Pflicht erfüllt.

Insgesamt bin ich den beiden sehr dankbar, dass ich in ihnen zwei bekannte Gesichter sehen durfte hier und hoffe, sie waren nur der Auftakt. England und insbesondere der Süden ist eine Reise wert, ein Halt bei mir kein Problem. Also fühlt Euch motiviert! :-)

Vatergefühle Ende der Woche

Als sie dann wegwaren, ließen sie mich mit einer kräftigen Erkältung zurück, die mich für meine Verhältnisse arg beutelte.
Trotz dessen gab es noch ein weiteres Highlight im Laufe der Woche. Als ich nämlich meinen Nachbar Gavin entlastete, indem ich für 20 min auf die annähernd einjährige Tochter “Livie” aufpasste, bekam ich ein Gefühl dafür, welche Freuden es Eltern bereiten muss, ihre Sprösslinge aufwachsen zu sehen. Es fiel nämlich in diesen Zeitraum, dass die Kleine unter meiner Obhut und Anleitung ihre ersten Schritten ohne Unterstützung lief und dann auch noch gleich vom Teppich aufstand, um ihre Flasche vom Sofa zu greifen.

Ich will mir das nicht komplett als eigene Leistung ans Rever heften, jedoch glaube ich, eine ruhige Atmosphäre im sonst so betriebsamen Umfeld (kleine Wohnung und zwei weitere Schwestern im Alter von 5 und 7) dafür geschaffen und sie auch schrittweise hingeführt zu haben.
Jedenfalls sind Gavin und ich aus dem Grinsen nicht mehr rausgekommen, als wir das gesehen haben.

So viel bis hier hin! Alles Gute wie immer für Euch!

 

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London für ein Wochenende

Gleich vorab: Ist nicht für einen allumfassenden Sightseeing-Trip geeignet.
Mit dem festen Vorsatz nach einer stressreichen Woche ein waschechter Digicam-Tourist zu sein war ich gestartet und von dem Mitfreiwilligen Jonas empfangen worden.
Wie Ihr Euch denken könnt, war es damit nicht weit her. Die Menschenmassen, die überfüllten Tubes und Gehsteige wie auch die horrenten Eintrittspreise für die must-have-Attraktionen bewogen mich zum Umdenken. Und zwar Samstagvormittag gegen halb 12.

Von dort an ließen wir uns einfach von diversen Bussen durch mehrere Teile der Stadt kutschieren und genossen es, die Reihenhausketten erfolglos auf Unterschiede zu untersuchen und dabei das touristische Erlebnis abseits der Tourimagneten zu finden.

 

Zu meinem Glück und auch dem manch anderer steht ein solches Gasthaus nicht in Ober-Mörlen. :D

Exhausted von dem anstrengenden Vormittag kehrten wir nach einiger Suche in den Pub Cittie of York ein. Vom Essen her ein Fehlgr..ähh gewöhnungsbedürftig, wobei ich mir dahingehend wohl ca. 95% der anderen englischen Lokale hätte aussuchen können, wartete der Wirt mit Bierpreisen auf, die mich stocken ließen. Und zwar im positiven Sinne. Als wir bei einer Bierprobe auch noch alle Sorten for free probieren durften und die zumeist noch schmeckten, war unser Nachmittag gerettet.

Auf Nachfrage erfuhr ich, dass dieser Pub einer von 50 in London und einer von rund 200 in ganz England sei, die nur und ausschließlich das Bier einer Brauerei verkauften; das der Samuel Smith Brewery aus North Yorkshire.  Diese könne das Bier günstig an ihre Pubs verkaufen, da sie darauf verzichtet, Bier von anderen Brauereien hinzuzukaufen. Daraus resultiere der eben beschriebene günstige Preis.

Das Separee, in dem wir es uns gute 4 1/2 Stunden gemütlich machten.

Interessant! und anyway: Wirt und Pub waren einladend, die wintergartenähnlichen Toiletten ein Highlight, Jonas der gewohnt unterhaltsame Zeitgenosse. Genug für meinen wohl etwas speziellen Tourismusanspruch.
Zu unserem Glück hat uns wohl ab 16 Uhr nur noch der Flatscreen mit Sky und der Premierleague gefehlt, der den Flair des Lokals zweifelsohne zerstört hätte.

Aus diesem Grund zogen wir dann doch noch weiter und zwar in dem festen Vertrauen in die Fußballverücktheit der Engländer bis wir dann mit einem Anflug von Desillusion erfahren mussten, dass die 15:30 Spiele nicht übertragen werden, weil mehrere Spiele parallel stattfinden. Da mussten wir unweigerlich an Innovationen wie Konferenzschaltungen denken, seis drum.
Außerdem scheint kein Pub in der Londoner Innenstadt bereit zu sein, sich als Fanlokal irgendeines Klubs zu outen, weil das gewaltbereite Anhänger rivalisierender Vereine anlocke. Das jedenfalls wurde uns kolportiert.

Letzten Endes bekamen wir um 5:30 pm dann noch Stoke gegen Manchester  United zu sehen und waren damit glücklich.

Einen Tag später das Wetter immernoch geil – anders kann man es nicht sagen – und wir entschlossen uns vom Chester House, einem Studentenwohnheim wo Jonas untergebracht ist und ich für 2 Pfund pro Nacht mit Frühstück in seinem Zimmer mitlogieren konnte, zum Alexandra Palace aufzumachen. Den im Volksmund “Ally Pally” genannten Palast kann man von Jonas Stadtteil Muswell Hill aus auf einer Anhöhe thronen sehen und ein gutinformierter Freiwillige teilte uns mit, die Strecke sei erlaufbar. War sie, ohne weiteres.

Der Blick in die Ferne - die Skyline von London.

Oben angekommen bot sich a) ein herrlicher Ausblick und b) eine Parkanlage zum relaxen an. Beides kam wie gerufen und wir campierten dort eine Weile in der Vormittagssonne, beobachteten die Vielfalt der vorbeiziehenden Leute, spazierten noch zu einem cricket Ground, wo ein Spiel stattfand – kurz wir verbrachten einen entspannten Tag bis zu meiner Abreise.

Alles in allem hab ich es sehr genossen mal aus der gewohnten Umgebung rauszukommen und in Jonas einen Kollegen zu treffen, mit dem ich auf derselben Wellenlänge funke. Gerne wieder, jetzt wo ich mir auch noch eine Railcard besorgt habe, die mir 30% Erlass auf alle Bahnreisen im Vereinigten Königreich garantiert.

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Das stimmungshebende Wochenende vom 16.-18.9

Hallo liebe Interessierte,

ich habe mich zugegebenermaßen vor allem in der letzten Woche durch ein Stimmungstief quälen müssen. Die Arbeit hier war sehr kräftezehrend und Überstunden gehörten hier – wie in England laut HSBC-Bankangestellten anscheinend insgesamt – weniger zur Ausnahme als zum Alltag. Außerdem fiel nochmehr ins Gewicht, dass ich in den damals zwei Wochen Aufenthalt auf englischem Boden noch keinerlei Kontakte zu Gleichaltrigen knüpfen konnte.

Von selbst lösen sich Probleme nicht und daher hab ich Bemühungen angestrengt, im Kent Adult Education Centre einen Sprachkurs für “foreign learners” besuchen zu können, an dessen Ende im Erfolgsfall ein Zertifikat stehen kann. Ich tat das weniger um der Zertifizierung als der sozialen Komponente willen – mal unter Leute kommen.
Darüberhinaus habe ich via Internetrecherche Email-Adressen der Verantwortlichen des ortsansässigen West Farleigh SC herausgefunden und diese kontaktiert. Deren Fußballabteilung spielt direkt gegenüber im Elmscroft Park (zur Erinnerung: unsere Haus ist das Elmscroft House und der “football ground” ist somit nach diesem benannt).
das geschah Dienstags und da Mittwochs das Training ausfiel, stand ich Samstags direkt auf dem Platz.

Der Samstag: East Sutton – West Farleigh 1:0

Der Platzhalter für das Mannschaftsfoto. Unsere Oldschool-Umbro-Trikots auf der Wäschenleine im Garten des Coaches müssen vorläufig genügen. :-)

Mein Debüt war für mich ein voller Erfolg. Aber der Reihe nach…
Es war ein Auswärtsspiel und mein Trainer Paul, er wohnt wie ich in der Charlton Lane, “gave me a lift” (das ist die hier übliche Art zu sagen, jemanden mitzunehmen). Und so stand ich um 12:30 am Samstagmittag in seiner Haustür und schon wurden mir zwei Mitspieler in meinem Alter vorgestellt, da war mein Tag schon halb gerettet.
Als wir uns dann in East Sutton in einem zweckentfremdeten, baufälligen Wohnwagen umzogen, war ich von elf sympathisch erscheinenden zumeist jungen Männern begrüßt und offen aufgenommen worden.

Auf dem Platz lief es für mich persönlich und uns als Mannschaft bis vor der Kiste auch sehr gut, nur der Ball wollte nicht hinein. Naja, und wir kennen es ja alle – wer vorne die Dinger nicht reinmacht, bekommt sie hinten wieder rein.
Trotzdem wurde gekämpft bis zum Schluss und somit kann man zumindest mit der Leistung erstmal zufrieden sein, weil es scheinen alle wie ich zum Spaß an der Freude zu spielen.
Über Unterschiede zum deutschen Kreisklassenfußball und Eigenheiten des englischen werde ich mich nochmal gesondert auslassen und dort auch noch Fotos nachreichen, die ich an diesem Wochenende noch nicht machen konnte, da ich als Mitspieler und nicht als Fußballtouri gelten wollte.

Dass wir auf der Heimfahrt ohne jede Absprache noch im Vereinspub landeten, konnte ich selbstverständlich auch gerade noch so verschmerzen.
Mein tag war ein runder gewesen. :-)

Der Sonntag: London ohne Zwang

Entgegen der Ankündigung im letzten Bericht, bin ich am Sonntagmorgen dann von unserem Haus aus bergab und den Fluss Medway entlang nach Maidstone gelaufen, wo ein anderer Frewillige namens Simeon auf mich wartete.
Dieser hatte kurzfristig eine Mitfahrgelegenheit nach London aufgetan und da dies weitaus relaxter und auch günstiger war, als nach Dover zu fahren, wo es zu allem Übel noch regnete. So waren wir froh im Dienstwagen einer Dresdener Sozialarbeiterin zu sitzen, die für die englische youhtwelfare (das englische Jugendamt) arbeitet.

Da wir uns nichts Spezielles vorgenommen hatten, was wir sehen wollten, konnten wir entspannt mit den anderen im Viertel Camden aussteigen, wo zur Zeit viele Londoner wohnen wollen, und uns ins bunte Treiben der Einkaufsstraßen und der Märkte werfen, schlenderten ein wenig umher.
Gleiches galt für das Viertel Covent Garden, das seinen Namen einem Konventgarden also einem Klostergarten verdankt. Hier kann man sich auch von allerhand Kleinkünstlern unterhalten lassen, was wir dankend annahmen.

Letztlich verbrachten wir – nachdem wir nochmal bei den großen Sehenswürdigkeiten a la Big Ben und Buckingham Palace vorbeispaziert sind – einen angenehmen und doch anstrengenden Tag, der das für mich gelungene Wochenende gut abrundete und mir Kraft gab für die nächste, arbeitsreiche Woche.

 

 

 

Bis hierhin und bald mehr,

Marek

P.S.: Wenn Ihr trotz Weltuntergangsstimmung gerade über selbige lachen könnt und wollt, so kann ich Euch nur die letzte Folge des Satiregipfels an Herz legen. Schaut Ihr hier.

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Und so geht es weiter :-)

Von einem Farmbesuch, dem Image der Deutschen auf der Insel und dem Fahrplan für die nächste Zeit.

Und gleich zum Wachwerden und Mitdenken:
Da wir seit dieser Woche wissen, dass wir Donnerstag der kommenden Woche Jungschweine bekommen werden, die uns anfangs für nächsten Monat angekündigt wurden, können wir uns nun glücklich schätzen, dass wir vorletzten Freitag rechtzeitig die Chance genutzt haben, bei einer befreundeten Farm in der Causa “Schweinehaltung” zu hospitieren.

Der besagte Freitag war auch gleichzeitig der wahrscheinlich letzte englische Sommertag diesen Jahres. Aus diesem Grund und aus Gründen eines hervorragenden Lunches wird mir dieser Besuch auf der “Lake Farm” in besonders guter Erinnerung bleiben.
Auf Nachfrage verriet man mir erst bitterernst und dann schmunzelnd, dass die Lake Farm so heißt, weil es keinen See in der Umgebung gäbe. Ich stutze, doch konnte ich mich auch erheitern. Das war also der sagenumwobene englische Humor.

Liss, die Farmerin, wusste nicht nur durch Kost und Wetter zu überzeugen, sie hatte indes auch inhaltlich so viel zu bieten, dass man nicht umhin kam mitzuschreiben.
Dass die Schweine ähnlich wie der Mensch in ihrem Gehege eine klare Struktur bevorzugen, ergo nicht an ein und demselben Ort essen und ihr Geschäft verrichten wollen, dass ihr Schwanz Indikator ihres Wohlbefindens ist und dass sie mehr Gewohnheitstiere sind als der um Abwechslung bemühte Mensch, da sie ihr tagtägliches nährstoffreichen Bio-Pellets den Früchten und Gemüse in der Speiseabfolge vorziehen – all das und noch mehr wurde uns in entspannter, ländlicher Atmosphäre vermittelt.


Wir verbrachten dort einen herrlichen Tag, von dem einige fotographische Eindrücke zeugen sollen.

 

Ein vielfacher englischer Eindruck der Deutschen

Eine populäre und mittlerweile auch traditionsreiche englische Fernsehreihe mit dem Namen “Grand Designs” stellt architektonisch innovative Bauvorhaben privater Bauherren vor und begleitet deren Entstehen. Ein deutsches Pendant kenne ich, zugegebenermaßen auch TV-scheu, nicht.

Nun haben mich unabhängig voneinander drei Engländer auf die Sendung vom 28.Januar aus dem Jahre 2004 angesprochen.
In dieser Ausgabe ließ sich ein Rentnerehepaar von der deutschen Fertighausfirma “Huf” ein Eigenheim errichten, das scheinbar englandweit für Aufsehen sorgte und inpucto Deutschland imagestiftend wirkte.
So war es das deutsche Unternehmen, das damals perfekt organisiert ein damals in Bauart und Design völlig neuartiges Projekt penibel nach Zeitplan auf den Weg brachten und zum Entsetzen meines Nachbars und stolzen Zimmermannes Gavin ein englischer LKW-Fahrer, der es durch Ausbleiben der letzten Betonlieferung gefährdeten. Auch der wiederrum britische Kranfahrer kam 6 Stunden also einen halben Arbeitstag zu spät, was bei angedachten 6 Tagen zum Aufstellen der Hauses verheerend wirken kann.
So nicht bei den “Huf gobblins” genannten Arbeitern, die es trotzdem in knappen 5 Tagen zur Verwunderung und Begeisterung des Bauherren und scheinbar dem ein oder anderen Zuschauer vor den Fernsehgeräten bewerkstelligen konnten.

Was blieb, war ein englisches Schamgefühl und der Eindruck, dass bei den “Germans” ein Rad effektiv ins andere greift sowie die Erinnerung, dass es nur die Engländer waren, die Sorgen bereiteten. Vor allem ersteres hat sich scheinbar über nunmehr 7 Jahre gehalten.

Relativierend will ich nochmal erinnern:
Wer im Land der Dichter und Denker, der Schiller und Goethes, der Daimler und Benz lebt, sollte nicht vergessen, dass er auch in dem Land lebt, in dem sich einer der abscheulichsten Despoten samt seiner menschenverachtenden Ansichten nach ganz oben aufschwingen konnte oder durfte.

Trotzdem: Es kommt die Stunde, da werde ich die Fußballnation nochmal an das Achtelfinale der WM 2010 in Bloemfontein erinnern, um sie mit einem Augenzwinkern wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Zum weiteren Ablauf

Da diese Woche die Sessions (Einheiten mit Kindern und Angehörigem) langsam anlaufen, scheint der Arbeitstag noch etwas länger zu werden. Aktuell beginnt er meistens gegen 8, offiziell um 9 Uhr. Das Ende ist offen, aber letztlich enden die Pflichten erst mit einem allabendlichen Rundgang ums Haus, nachdem gegen 20 Uhr die Hühner mit mehr oder weniger Eigeninitiative ihr Heim aufgesucht haben.
Ihr ahnt schon an dieser Stelle, auch wenn ich auf eine repräsentative Woche noch einmal separat eingehen werde, dass es durchaus anstrengend ist und man nach getaner Arbeit darauf bedacht ist, die Ruhe zu genießen und die Akkus aufzuladen.

Wie angesprochen erwarten wir diese Woche Donnerstag drei Ferkel, die ein standesgemäßes Heim beziehen sollen. Planung und Bau dessen nimmt daher einen guten Teil unserer Zeit ein. Nichtsdestoweniger freue ich mich auf unsere neuen Nesthäkchen.

Nebenher versuche ich momentan den erstandenen Motorroller straßentauglich zu machen, um nicht mehr so sehr auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen zu sein und dadurch an Mobilität zu gewinnen.

Ich darf Euch an dieser Stelle auch schon zwei Touren mit entsprechenden Berichten ankündigen:

  • Zum einen planen zwei Kompagnon und ich am Sonntag in Dover einzutreffen und mal “richtig Tourist zu sein.”
  • Zum anderen werde ich am Wochenende vom 23.-25.September den Frewilligen Jonas in London zu besuchen, der sich dort unter der Woche um die Bambinos im Waldorfkindergarten kümmert.

Damit werde ich erstmals einen Versuch wagen, meine umtriebige Reiselust auf der Insel zu bändigen.

In diesem Sinne ,

Marek

P.S.:

Ein Bonbon zum Schluss: die erste Post, zugestellt von der Royal Mail. Seht selbst! :D

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Die Anreise und Tag 1-2

Hallo liebe Freunde,

nun bin ich hier in dem von mir gelobten Land. Um zu sagen, was vom Traum bleiben wird bzw. geblieben ist, ist es definitiv noch zu früh. Fest steht, dass ich sehr zufrieden bin, auch gerade weil ich mich endlich melden kann. Zwar sind erst zwei ganze Tage und ein offizieller Arbeitstag rum, trotzdem waren diese ereignisreich genug, um Euch davon zu berichten.
Doch alles der Reihe nach…

Die Anreise

Noch am Flughafen wurde ich von einem wahren Komitee verabschiedet; selbstverständlich tat es ungemein gut, so viele so wichtige Menschen in den letzten Minuten auf deutschem Grund zu sehen. Danke hierfür!

Die Crailsheimerin Eva.

Im Wartebereich gab es die erste kleine Überaschung: Eva, Freiwillige wie ich bei den Freunden Waldorf, hatte ich beim Vorbereitungsseminar kennengelernt und nicht nur ich war damals verwundert, dass wir im selben Flieger sitzen werden.
Doch das wusste ich bei all dem Trubel eine gute Woche später nicht mehr. Seis drum. Jedenfalls standen wir plötzlich nebeneinander und sorgten gegenseitig für eine kurzweilige Zeit bis sich unsere Wege am Londoner Flughafen Heathrow gute 3 Stunden später trennten und wir per National Express in entgegengesetzte Himmelsrichtungen ausschwärmten.

Ankunft bei Dandelion Time

Mehr als 600 Jahre Geschichte: Elmscroft House (Ostseite), welches Dandelion Time seit 4 Jahren und mich für 11 Monate beherbergt.

Spätabends in Maidstone angekommen, sammelte mich mein Supervirsor und Chef im kommenden Jahr, Graham Carpenter, ein und verpasste mir, neben einer Pizza, auch eine kurze Führung durch das laut ihm mehr als 600 Jahre alte Elmscroft House.

Ich bezog mein Zimmer und als ich mit Schrecken festsstellte, dass ich weder im Besitz des Netzwerkschlüssels war noch das Steckdosenproblem konsequent zu Ende gedacht, also Adapter besorgt, hatte, legte ich mich aus Trotz nach einem anstrengenden Tag schlafen und zwar in einem sehr bequemen Bett. Ein solches ist viel Wert und auch das Adapterproblem sollte dank dem deutschen Amazon-Onlineversandhaus in 2-3 Werkttagen, von denen noch 1-2 übrig sind, gelöst sein.

Die ersten beiden vollen Tage standen…

sie standen vorerst im Zeichen der Landwirtschaft und des Gartensbaus, weil hierzulande aktuell bis Montag Schulferien sind und dadurch nahezu keine Kinder kommen und Einheiten stattfinden.

Während Graham und der Rest des Managements wichtige Meetings mit potentiellen Geldgebern hatten, durften wir uns unter anderem am Unkraut austoben und Äpfel pflücken.
Da es der erste volle Tag für mich war, wurden mir selbstverständlich allerhand Leute vorgestellt, auf die ich beizeiten und je nach Notwendigkeit auch zurückkommen möchte.

Den heutigen und damit den ersten offiziellen Diensttag läutete ich für mich um 7 Uhr mit einem Morgenlauf ein und erkundete bei herrlichem Sonnenschein die der Wetterau recht ähnlich anmutende Landschaft. Die Fußgänger in dem nahegelegenen kleinen Dorf West Farleigh grüßten durchweg freundlich und auch dadurch ging der mit der Sonne meine Stimmung auf.

Ragwort oder: eine Viehweide voller giftiger Ungetümer

Wirkt unschuldig, hat es aber in sich: Ragwort.

Diese konnte selbst eine besonders biestige Pflanze namens Ragwort (zu deutsch: Jakobs-Greiskraut) nicht trüben, obwohl sie unseren Vormittag (den des anderen Freiwilligen David und meinen) bestimmte.
Da sie für Schafe und Ziegen, insbesondere aber für Pferde und Rinder auch in relativ geringen Mengen sehr gefährlich bis tödlich sein können, verbrachten wir den sonnigen Morgen damit eine geschätzt anderthalb Fußballfelder messende Weide im Rasenmäh-System (also zuerst große Bahnen, die immer kleiner werden) schubkarrenweise rupfend abzugrasen. Schubkarren aka Schubbkerrn heißt im englischen im Übrigen Wheelbarrow (Merke: im Englischen gibts also doch zusammengesetzte Substantive.)
Trotz alle dem wurden wir selbstverständlich nicht fertig – doch nach dem Essen gab es den ersten aufregenden Besuch während meiner Anwesenheit.

Die Sportskanone und die leidenschaftliche Köchin

Er spielt am liebsten den ganzen Nachmittag Tischtennis und Fußball, sie kocht und backt nach Herzenslust. Es sind Geschwister, beide knapp über 10 Jahre alt. Sie ist die ältere von beiden.
Per se sind sie normale Heranwachsende und doch wieder nicht, denn: Die Mutter des Jungen, der mit mich so passioniert bei jedem Ballwechsel fordert, hat Multiplis Sklerose, sitzt im Rollstuhl und die Prognosen der Ärzte scheinen eindeutig.
Kinder und Mutter sehen einander einmal wöchentlich, die Mutter hat längst nicht mehr die Konstitution sich um die Kinder zu kümmern; sie sind in einer Pflegefamilie.
Für dieses allwöchentliche Treffen bietet meine Einrichtung die Platform. Für mich ist es nicht weniger als erschütternd die Kinder ihre Mutter fröhlich, aber um Deutlichkeit in Aussprache und Gestik bemüht begrüßen zu sehen. Diese kann kaum ein Wort erwidern, nur eine Hand etwas bewegen, mehr lässt ihr Körper nicht zu.

Um mit etwas Positivem zu schließen für den Abend, war es doch eine besondere Erfahrung sie den holprig-hügeligen Weg um Elmscroft House in ihrem Wheelchair zu fahren, weil ich selten solch eine hohe Aufmersamkeit bzw ein solches Bewusstsein für den Untergrund, für die Türschwelle hatte wie in diesem Moment.

In der wahrscheinlich berechtigten Angst Euch gleich mit dem ersten Artikel zu überfordern, gehe ich in den 2. bzw. 3. Tag.
Auf bald!

Euer Marek

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Einblick in die laufenden Vorbereitungen

Das Wetter wechselt hierzulande häufig, doch meine enthusiastische Vorfreude hält sich, ob nun die Sonne scheint oder der Himmel für manchen Gewitterregen seine Schleusen öffnet.

Man könnte meinen, dass nach dem abgeschlossenen Bewerbungsverfahren, der erfolgreichen Suche nach einem Projekt und dem Abschluss der vertraglichen Regelungen der Großteil der Anstrengungen hinter mir liegt. Ganz so ist es nicht.

Diese Tage sind mehr denn je Tage der Vorbereitung: Ich habe versäumte Impfungen nachgeholt, diejenige Kreditkarte auf fundierten Rat hin beantragt, die mir im Ausland bargeldloses Zahlen  und kostenloses Geldabheben an jedem Automaten ermöglicht. Außerdem wurde unlängst die Weiterzahlung des Kindergeldes bewilligt, was in einigen anderen Fällen ungleich schwieriger sein konnte.
Ihr seht es gab und gibt noch genug zu tun, denn: Der laufende Aufbau des Förderkreises (neben dem Arbeitsalltag im Schichtdienst bei MAHLE in Wölfersheim) macht mein Projekt für mich zu einem täglichen Begleiter, da ich es immer wieder – mal besser, mal schlechter – neu vorstellen muss. Auf diese Weise vergegenwärtigt es sich jedoch inhaltlich und der große Zuspruch Eurerseits, die Anerkennung und warmen Worte zeigen mir, dass sich der enorme  Aufwand lohnt und geben somit Mut wie Kraft nicht nachzulassen. :-)
Dafür an dieser Stelle nochmal großes Dankeschön!

Abschließend möchte ich Euch heute mit einem neuen Gesicht vertraut machen, das Euch im kommenden Jahr noch häufiger begegnen wird.
Viele unter Euch wissen aus meinen Darstellungen, dass ich mir im kommenden Jahr Unterkunft und Haushalt mit einem weiteren Freiwilligen teilen werde. Da sich für meinen künftigen Arbeitskollegen David und mich die Chance zu einem Treffen bot, nutzten wir diese bei einem Kaffee im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach/Taunus.

Es standen leider nur eine professionelle Kamera, eine Gelegenheitsfotographin sowie zwei semi-professionelle Models zur Verfügung.

 

Er machte einen äußerst aufgeschlossenen Eindruck und wir konnten schon erste Reisepläne schmieden, während wir uns auch über die Packliste austauschten. Aktuell befindet sich der 19jährige Abiturient aus Mainz auf dem Vorbereitungsseminar, das mich vom 15.-24.8 erwartet.

Bis hierhin von mir. Ich wünsche Euch eine schöne, nächste Zeit!

Euer Marek

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Ein erster, herzlicher Gruß an alle…

…an alle, die den Weg auf meine Seite gefunden haben.

Ich werde diese in Form eines Blogs in den kommenden 12 Monaten nutzen, um Euch über die aktuellen Geschehnisse und Erlebnisse in meinem Freiwilligendienst auf dem Laufenden zu halten.

Wie unschwer zu erkennen, befindet sich der Blog momentan noch im Aufbau. Gleichwohl bin ich guter Dinge, mich bald eingearbeitet zu haben und dann auch optisch und inhaltlich mehr zu bieten!

Für die Interessierten hier vorab:

Homepage meiner Dienststelle

Info-Flyer

Bis bald und liebe Grüße,

Marek

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